Jonathan Franzen und der Klimawandel

Jonathan Franzen - Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?

Selbst in den wenigen Bewertungen dieses Büchleins bei Amazon argumentieren Klimawandel-Leugner auf teilweise solch banale Weise:

In Thailand liegt beispielsweise die Durchschnittstemperatur von rund 25° C um etwa 15° C höher als in Deutschland. Gleichwohl gibt es dort weder Wüsten­bildung noch Versteppung. Im Gegenteil, dort sind mehrere Ernten im Laufe eines Jahres möglich.

Das ist so ein Argument. Oder ein anderes:

Insbesondere bei hohen CO2-Werten zeigten erdgeschichtliche Warmperioden sich stets als die artenreichsten, sie waren kulturelle Blütezeiten. In Kaltzeiten sind Völkerwanderungen, Hunger und Seuchen festzustellen. In der starken Warmperiode vor 6500 Jahren wurden in Mesopotamien der Pflug, das Rad, Bewässerungssysteme und die Schrift erfunden.

Warm, wärmer, Schrift! Diesen dummen Quatsch mal außer Acht gelassen: Jonathan Franzens Denkanstoß im Essay »Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?« ist ein schöner Kontrast zu den ganzen „CO2-Neutralität bis 20xx“-Versprechen.

★★★★☆

Irresistible – Adam Alter

Irresistible von Adam Alter

Aufmerksam wurde ich auf Adam Alter durch »Digital Minimalism« von Cal Newport, der darin an vielen Stellen Alters Werk aufgreift. »Irresistible« erklärt mit vielen Beispielen was Technologie (iPhone, iPad, Apps, Social Media, der Like-Button, Online-Videospiele, …) mit uns macht und das nichts zufällig so funktioniert, wie es funktioniert. Am Ende hat man nichts Unglaubliches gelernt, was man nicht schon wusste oder ahnte. Aber es ist gut, mal zu lesen, wie gefährlich das alles sein kann und wie bspw. Displays die geistige Entwicklungen beeinträchtigen.

Rückblickend habe ich viele der im Buch beschriebenen Beispiele selbst erlebt. Auf ein sehr plattes, dummes (aber nach Logik des Buches auch ein teuflisch-gutes) Spiel bin ich erst vor ein paar Wochen rein­gefallen: Terrarium.

Mehrere Stunden am Tag habe ich mit dem Sammeln von Oxygen-Punkten verbracht. Um neue Pflanzen zu pflanzen und sie Level für Level mit Oxygen-Punkten zu upgraden. Um noch mehr Oxygen-Punkte pro Tap auf die Pflanze zu bekommen. Es gibt einen Gartenzwerg, den man ebenfalls hochleveln kann, durch den man Oxygen-Punkte pro Sekunde, in denen man die App nicht geöffnet hat, bekommt.

Für 2,99 Euro kann man sich Oxygen-Punkte kaufen. 9,97 Euro, ca. 1.250 Level, 180 Pflanzen, 200 Werbeclips und eine Woche später löschte ich die App. Kurz danach las ich »Irresistible« und fand es herrlich, mehr über die simplen Mechanismen solcher Games zu erfahren.

★★★★☆

Factfulness – Hans Rosling

Factfulness von Hans Rosling

Das Buch »Factfulness« von Hans Rosling möchte, dass wir die Welt auf Basis von Fakten verstehen. Der Autor beschreibt darin zehn Instinkte, die dafür verant­wortlich sind, dass den meisten von uns ein solches Weltverständnis misslingt. Dabei argumentiert er mit Statistiken, lässt aber auch viele persönliche Erfahr­ungen als Beispiele einfließen. Für mich ein Buch der Sorte „im Haupt­bahnhof oder am Flughafen gekauft“. Kann man gut weglesen und ist sehr interessant.

Zu Beginn des Buches werden einem 13 Fragen gestellt. Der sogenannte Gapminder Test ist auch online verfügbar – macht mal! Die eigenen Ergebnisse machen das Lesen des Buches anschließend zu einem Vergnügen. Nicht grundlos ein Bestseller.

★★★★★

Poor Economics

Poor Economics

Armut als Klischee – darum geht es in »Poor Economics« von zwei Ökonomen, die an sehr vielen Beispielen erklären, warum „arme“ Menschen in „armen“ Ländern handeln wie sie handeln und weshalb viele wirtschaftliche Anreize von den Menschen zwar verstanden werden, aber Entwicklungshilfen trotzdem oft ins Leere laufen. Und welche Erkenntnisse und Hilfsprogramme auch echte Erfolge erziel(t)en.

Für mich ein 50/50-Buch. Einige Kapitel sind aufschlussreich, die Beispiele greifbar und die präsentierten Ergebnisse nachvollziehbar. An anderen Stellen werden die Erkenntnisse über zu viele Seiten gestreckt, zu viele geographische Sprünge, zu viele beschriebene Entwicklungsprogramme.

Die wiederkehrende Rechnung, dass arme Menschen durch mehr Kalorien später mehr Geld verdienen, war gefühlt omnipräsent. Ungefähr so: Als Kind täglich eine kalorisch bedarfsdeckende Ernährung = 3.000 Dollar mehr Verdienst im gesamten Berufsleben. Manchmal wird es noch weiter heruntergebrochen: plus 200 Kalorien pro Tag = 1.000 Dollar mehr.

★★★☆☆

Needful Things – Stephen King

Needful Things von Stephen King

Mein erster Roman von Stephen King. Natürlich habe ich »Shining« gesehen oder »Die Verurteilten«. Aber ein Buch von King habe ich noch nie gelesen. Wegen der endlosen Seiten und einfach wegen des Genres. Mit Horror-Geschichten konnte ich bisher wenig anfangen.

Im Urlaub glaubte ich genügend Zeit zu haben, also suchte ich erstmal nach King-Bestenlisten, um ja nicht meine Zeit mit einem mittelmäßigen und trotzdem 1.000-Seiten-Roman zu verschwenden. Ich landete bei »Needful Things«, angeblich einem echten King-Klassiker und Fan-Liebling.

880 Seiten (hat das Taschenbuch) später kann ich sagen, ich habe mal einen King-Roman gelesen. Und mit der richtigen Betonung bleibt es wohl dabei. Im letzten Viertel des Buches habe ich ganze Kapitel überflogen, weil ich wusste, was passiert und es das Finale nur unnötig hinauszögerte.

Obwohl ich mit dem Ende dann auch nicht zufrieden war. Irgendein Motiv wäre toll gewesen. Stattdessen muss man es wohl mit der Verfilmung (★☆☆☆☆) halten – war eben der Teufel am Werk.

So schön ausschweifend der Stil von Herrn King auch sein mag, ich konnte gut von Dialog zu Dialog springen. Reichte mir völlig, um der Geschichte zu folgen. Immerhin wurden die Figuren derart sorgsam charakterisiert, sodass der vorhersehbare Plot trotzdem irgendwie spannend war.

★★☆☆☆