Unsichtbare Frauen – Caroline Criado-Perez

Unsichtbare Frauen - Caroline Criado-Perez

Frauen werden syste­matisch dis­krimi­niert, weil bei der Erhebung wissen­schaft­licher Daten geschlechts­spezifische Unter­schiede einfach ignoriert werden. Egal ob in der medizinischen Forschung, der Entwicklung techno­logischer Produkte, dem Städte­bau oder in der Politik. »Unsichtbare Frauen« von Caroline Criado-Perez deckt das und die Auswirkungen davon auf Frauen eindrucksvoll auf.

Allerdings gefällt mir eine Sache so gar nicht: sie vermischt in einzelnen Kapiteln oft Themen mit zu vielen Beispielen, Statistiken und Zahlen, sodass mir beim Lesen eine klare Struktur fehlte. So startet ein Kapitel mit der Diskrimi­nierung bei der Finanzierung eines Start-ups und endet beim Design von Autos und Crash Test Dummies.

Dazwischen geht es auch noch um Frauen in Führungs­­positionen, um die Entwicklung von Apps und Wearables, um VR-Techno­logie und Gewalt im virtuellen Raum und um die Größe von Smart­­phones. Vom Hözlchen aufs Stöckchen auf weniger als 30 Seiten.

An manchen Stellen ist sie mir außerdem zu zynisch und sarkas­tisch, wenn plötzlich ein „aber ach wir Frauen sind ja eh schwach und dumm“ am Ende eines sachlich dar­ge­leg­ten Beispiels auftaucht. Sehr interessante Fakten, aber anstrengend zu lesen.

★★★☆☆

Digital Minimalism – Cal Newport

Digital Minimalism - Cal Newport

Cal Newport beschreibt und erklärt in »Digital Minimalism« wie man es schafft sich in der digitalen Welt langfristig – und damit anders als bei einem Digital Detox – auf das Wesentlichste zu konzentrieren und welche Nebeneffekte das hat. Herzlichen Dank an Influencer Marcel für die Empfehlung.

Newport bringt viele Beispiele seiner Leser ein, bei denen ich meist zustimmend nicken musste. Instagram hatte ich bspw. schon oft vom iPhone entfernt und plötzlich checkte ich stündlich unbewusst die Wetter-App, den App Store auf Updates oder Runtastic (ich „folge“ dort genau zwei Leuten), nur um einen Refresh-Moment zu haben.

Als ein Extrem sind für mich die Strategien von Newport auf jeden Fall sehr gut. Zu Beginn der Corona-Zeit ist meine Bildschirmzeit explodiert. Ein dämliches Spiel auf dem iPhone, verschiedene Newsticker und Plus-Abos mit immer neuen Statistiken, Push-Nachrichten, dazu Instagram und neben Mediatheken noch Konten bei sämtlichen Streaming­diensten. Jetzt sieht das zum Glück anders aus.

Im Anschluss habe ich »Irresistble« gelesen, um noch ein bisschen mehr über die sucht­erzeugenden Technologien von bspw. Social Media (Apps) zu verstehen.

★★★★★

Gelebt, erlebt, überlebt – Gertrude Pressburger

Gertrude Pressburger - Gelebt, erlebt, überlebt

Gertrude Pressburger hat den Holocaust überlebt, ihre Brüder und Eltern wurden von den Nazis ermordert. Mit 90 Jahren erzählte sie 2017 einer Journalisten erstmals ihre Lebens­geschichte.

Anders als viele andere Berichte von bzw. über Zeitzeugen fokussiert »Gelebt, erlebt, überlebt« nicht nur die Zeit im KZ. Das Buch gibt genügend Raum für Frau Pressburgers Erinnerungen an ihre beiden Brüder, ihre Kindheit in Wien, die Kochkünste des Vaters oder die schönen Momente auf der Flucht.

Das alles macht die Erzählung so intensiv. Ich hatte beim Lesen das Gefühl sehr nah an ihrer Gesichte und der Geschichte ihrer Familie mit allen Stationen vor, während und nach dem Krieg, dran zu sein.

★★★★★

QualityLand – Marc-Uwe Kling

Marc-Uwe Kling - Qualityland

Ja, ich finde 3/4 der Känguru-Chroniken in der Hörbuchfassung richtig lustig. Und im zweiten Anlauf finde ich auch »QualityLand« von Marc-Uwe Kling in Buchform unter­haltsam (das Hörbuch ist vorgemerkt). Vor einem Jahr hatte ich die ersten 30 Seiten gelesen und das Buch dann irgendwie vergessen. Mit ein bisschen anfänglichem Willen kann man die knapp 360 Seiten gut in einem Rutsch lesen. Ich musste an einigen Stellen innerlich lachen.

Die Geschichte dreht sich um Peter Arbeitsloser (der eigene Nachname ist in Quality­Land der Beruf des Vaters oder der Mutter), der sich nicht länger seinem von Algo­rithmen optimierten Schicksal ergeben will. In QualityLand hat jeder seine kleine persönliche Siri im Ohr, statt FaceID küsst man sein Quality­Pad und per Drohne werden automatisch Dinge geliefert, die das System als unbewussten Wunsch klassifiziert hat. Es gibt soziale Level, die einem Türen öffnen oder verschließen. Ganz so wie das chine­sische Social Scoring schon heute.

Mir fallen noch zwei gute Black Mirror Episoden ein, die Algorithmen und Social Scoring behandeln: Hang the DJ (das ultimative Tinder) und Nosedive (alle Menschen bewerten sich gegen­seitig auf einer Skala von 1 bis 5). Ich kann außerdem das Interview mit Kling im „Alles gesagt?“-Podcast der Zeit empfehlen. Den Teil, in dem die Herren Waffeln backen, kann man aber überspringen.

★★★☆☆