QualityLand – Marc-Uwe Kling

Marc-Uwe Kling - Qualityland

Ja, ich finde 3/4 der Känguru-Chroniken in der Hörbuchfassung richtig lustig. Und im zweiten Anlauf finde ich auch »QualityLand« von Marc-Uwe Kling in Buchform unter­haltsam (das Hörbuch ist vorgemerkt). Vor einem Jahr hatte ich die ersten 30 Seiten gelesen und das Buch dann irgendwie vergessen. Mit ein bisschen anfänglichem Willen kann man die knapp 360 Seiten gut in einem Rutsch lesen. Ich musste an einigen Stellen innerlich lachen.

Die Geschichte dreht sich um Peter Arbeitsloser (der eigene Nachname ist in Quality­Land der Beruf des Vaters oder der Mutter), der sich nicht länger seinem von Algo­rithmen optimierten Schicksal ergeben will. In QualityLand hat jeder seine kleine persönliche Siri im Ohr, statt FaceID küsst man sein Quality­Pad und per Drohne werden automatisch Dinge geliefert, die das System als unbewussten Wunsch klassifiziert hat. Es gibt soziale Level, die einem Türen öffnen oder verschließen. Ganz so wie das chine­sische Social Scoring schon heute.

Mir fallen noch zwei gute Black Mirror Episoden ein, die Algorithmen und Social Scoring behandeln: Hang the DJ (das ultimative Tinder) und Nosedive (alle Menschen bewerten sich gegen­seitig auf einer Skala von 1 bis 5). Ich kann außerdem das Interview mit Kling im „Alles gesagt?“-Podcast der Zeit empfehlen. Den Teil, in dem die Herren Waffeln backen, kann man aber überspringen.

★★★☆☆

Jonathan Franzen und der Klimawandel

Jonathan Franzen - Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?

Selbst in den wenigen Bewertungen dieses Büchleins bei Amazon argumentieren Klimawandel-Leugner auf teilweise solch banale Weise:

In Thailand liegt beispielsweise die Durchschnittstemperatur von rund 25° C um etwa 15° C höher als in Deutschland. Gleichwohl gibt es dort weder Wüsten­bildung noch Versteppung. Im Gegenteil, dort sind mehrere Ernten im Laufe eines Jahres möglich.

Das ist so ein Argument. Oder ein anderes:

Insbesondere bei hohen CO2-Werten zeigten erdgeschichtliche Warmperioden sich stets als die artenreichsten, sie waren kulturelle Blütezeiten. In Kaltzeiten sind Völkerwanderungen, Hunger und Seuchen festzustellen. In der starken Warmperiode vor 6500 Jahren wurden in Mesopotamien der Pflug, das Rad, Bewässerungssysteme und die Schrift erfunden.

Warm, wärmer, Schrift! Diesen dummen Quatsch mal außer Acht gelassen: Jonathan Franzens Denkanstoß im Essay »Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?« ist ein schöner Kontrast zu den ganzen „CO2-Neutralität bis 20xx“-Versprechen.

★★★★☆

Irresistible – Adam Alter

Irresistible von Adam Alter

Aufmerksam wurde ich auf Adam Alter durch »Digital Minimalism« von Cal Newport, der darin an vielen Stellen Alters Werk aufgreift. »Irresistible« erklärt mit vielen Beispielen was Technologie (iPhone, iPad, Apps, Social Media, der Like-Button, Online-Videospiele, …) mit uns macht und das nichts zufällig so funktioniert, wie es funktioniert. Am Ende hat man nichts Unglaubliches gelernt, was man nicht schon wusste oder ahnte. Aber es ist gut, mal zu lesen, wie gefährlich das alles sein kann und wie bspw. Displays die geistige Entwicklungen beeinträchtigen.

Rückblickend habe ich viele der im Buch beschriebenen Beispiele selbst erlebt. Auf ein sehr plattes, dummes (aber nach Logik des Buches auch ein teuflisch-gutes) Spiel bin ich erst vor ein paar Wochen rein­gefallen: Terrarium.

Mehrere Stunden am Tag habe ich mit dem Sammeln von Oxygen-Punkten verbracht. Um neue Pflanzen zu pflanzen und sie Level für Level mit Oxygen-Punkten zu upgraden. Um noch mehr Oxygen-Punkte pro Tap auf die Pflanze zu bekommen. Es gibt einen Gartenzwerg, den man ebenfalls hochleveln kann, durch den man Oxygen-Punkte pro Sekunde, in denen man die App nicht geöffnet hat, bekommt.

Für 2,99 Euro kann man sich Oxygen-Punkte kaufen. 9,97 Euro, ca. 1.250 Level, 180 Pflanzen, 200 Werbeclips und eine Woche später löschte ich die App. Kurz danach las ich »Irresistible« und fand es herrlich, mehr über die simplen Mechanismen solcher Games zu erfahren.

★★★★☆

Factfulness – Hans Rosling

Factfulness von Hans Rosling

Das Buch »Factfulness« von Hans Rosling möchte, dass wir die Welt auf Basis von Fakten verstehen. Der Autor beschreibt darin zehn Instinkte, die dafür verant­wortlich sind, dass den meisten von uns ein solches Weltverständnis misslingt. Dabei argumentiert er mit Statistiken, lässt aber auch viele persönliche Erfahr­ungen als Beispiele einfließen. Für mich ein Buch der Sorte „im Haupt­bahnhof oder am Flughafen gekauft“. Kann man gut weglesen und ist sehr interessant.

Zu Beginn des Buches werden einem 13 Fragen gestellt. Der sogenannte Gapminder Test ist auch online verfügbar – macht mal! Die eigenen Ergebnisse machen das Lesen des Buches anschließend zu einem Vergnügen. Nicht grundlos ein Bestseller.

★★★★★

Poor Economics

Poor Economics

Armut als Klischee – darum geht es in »Poor Economics« von zwei Ökonomen, die an sehr vielen Beispielen erklären, warum „arme“ Menschen in „armen“ Ländern handeln wie sie handeln und weshalb viele wirtschaftliche Anreize von den Menschen zwar verstanden werden, aber Entwicklungshilfen trotzdem oft ins Leere laufen. Und welche Erkenntnisse und Hilfsprogramme auch echte Erfolge erziel(t)en.

Für mich ein 50/50-Buch. Einige Kapitel sind aufschlussreich, die Beispiele greifbar und die präsentierten Ergebnisse nachvollziehbar. An anderen Stellen werden die Erkenntnisse über zu viele Seiten gestreckt, zu viele geographische Sprünge, zu viele beschriebene Entwicklungsprogramme.

Die wiederkehrende Rechnung, dass arme Menschen durch mehr Kalorien später mehr Geld verdienen, war gefühlt omnipräsent. Ungefähr so: Als Kind täglich eine kalorisch bedarfsdeckende Ernährung = 3.000 Dollar mehr Verdienst im gesamten Berufsleben. Manchmal wird es noch weiter heruntergebrochen: plus 200 Kalorien pro Tag = 1.000 Dollar mehr.

★★★☆☆