Hologrammatica – Tom Hillenbrand

Hologrammatica - Tom Hillenbrand

Unsere Welt am Ende des 21. Jahrhunderts: in »Hologrammatica« von Tom Hillenbrand ist das Holonet fast überall (außer im Naked Space) und projiziert den Menschen eine Umwelt, die den Schein wahrt. Ganze Gebäude, Kleidung, Werbung einfach alles ist buntes Licht. Nur mit speziellen Brillen lässt sich die Holographie teilweise entfernen und offenbart einen Blick auf die Realität – die fast immer sehr schmutzig ist.

Menschen können ihren Verstand in einen anderen Körper (meist ein Supermodel) laden. Das ist aber teuer. Leute ohne viel Geld überziehen ihr Gesicht dagegen mit Holographie und können so einfach ihre Identität wechseln. Hier kommt der Hauptcharakter ins Spiel: er ist Quästor und sucht „verschwundene“ Menschen (Milchtüten, wie er sie nennt). Der neueste Fall ist eine Programmiererin, die an der Verschlüsselung von Cogits (ein Cogit ist der digitalisierte Verstand) arbeitete.

Ich finde die Geschichte super und werde auch den zweiten Fall aus der Holo­grammatica lesen! Ansonsten das, was Marcel schreibt:

Hillenbrand erzeugt eine überraschend komplexe und spürbar “reale” Welt, von der genau richtig viel erzählt, aber auch verschwiegen wird. Die Charaktere sind besonders, die Geschichte spannend und unvorhersehbar. Hat einfach, ganz ohne große Abstriche, richtig viel Spaß gemacht.

★★★★☆

Unsichtbare Frauen – Caroline Criado-Perez

Unsichtbare Frauen - Caroline Criado-Perez

Frauen werden syste­matisch dis­krimi­niert, weil bei der Erhebung wissen­schaft­licher Daten geschlechts­spezifische Unter­schiede einfach ignoriert werden. Egal ob in der medizinischen Forschung, der Entwicklung techno­logischer Produkte, dem Städte­bau oder in der Politik. »Unsichtbare Frauen« von Caroline Criado-Perez deckt das und die Auswirkungen davon auf Frauen eindrucksvoll auf.

Allerdings gefällt mir eine Sache so gar nicht: sie vermischt in einzelnen Kapiteln oft Themen mit zu vielen Beispielen, Statistiken und Zahlen, sodass mir beim Lesen eine klare Struktur fehlte. So startet ein Kapitel mit der Diskrimi­nierung bei der Finanzierung eines Start-ups und endet beim Design von Autos und Crash Test Dummies.

Dazwischen geht es auch noch um Frauen in Führungs­­positionen, um die Entwicklung von Apps und Wearables, um VR-Techno­logie und Gewalt im virtuellen Raum und um die Größe von Smart­­phones. Vom Hözlchen aufs Stöckchen auf weniger als 30 Seiten.

An manchen Stellen ist sie mir außerdem zu zynisch und sarkas­tisch, wenn plötzlich ein „aber ach wir Frauen sind ja eh schwach und dumm“ am Ende eines sachlich dar­ge­leg­ten Beispiels auftaucht. Sehr interessante Fakten, aber anstrengend zu lesen.

★★★☆☆

Digital Minimalism – Cal Newport

Digital Minimalism - Cal Newport

Cal Newport beschreibt und erklärt in »Digital Minimalism« wie man es schafft sich in der digitalen Welt langfristig – und damit anders als bei einem Digital Detox – auf das Wesentlichste zu konzentrieren und welche Nebeneffekte das hat. Herzlichen Dank an Influencer Marcel für die Empfehlung.

Newport bringt viele Beispiele seiner Leser ein, bei denen ich meist zustimmend nicken musste. Instagram hatte ich bspw. schon oft vom iPhone entfernt und plötzlich checkte ich stündlich unbewusst die Wetter-App, den App Store auf Updates oder Runtastic (ich „folge“ dort genau zwei Leuten), nur um einen Refresh-Moment zu haben.

Als ein Extrem sind für mich die Strategien von Newport auf jeden Fall sehr gut. Zu Beginn der Corona-Zeit ist meine Bildschirmzeit explodiert. Ein dämliches Spiel auf dem iPhone, verschiedene Newsticker und Plus-Abos mit immer neuen Statistiken, Push-Nachrichten, dazu Instagram und neben Mediatheken noch Konten bei sämtlichen Streaming­diensten. Jetzt sieht das zum Glück anders aus.

Im Anschluss habe ich »Irresistble« gelesen, um noch ein bisschen mehr über die sucht­erzeugenden Technologien von bspw. Social Media (Apps) zu verstehen.

★★★★★

Gelebt, erlebt, überlebt – Gertrude Pressburger

Gertrude Pressburger - Gelebt, erlebt, überlebt

Gertrude Pressburger hat den Holocaust überlebt, ihre Brüder und Eltern wurden von den Nazis ermordert. Mit 90 Jahren erzählte sie 2017 einer Journalisten erstmals ihre Lebens­geschichte.

Anders als viele andere Berichte von bzw. über Zeitzeugen fokussiert »Gelebt, erlebt, überlebt« nicht nur die Zeit im KZ. Das Buch gibt genügend Raum für Frau Pressburgers Erinnerungen an ihre beiden Brüder, ihre Kindheit in Wien, die Kochkünste des Vaters oder die schönen Momente auf der Flucht.

Das alles macht die Erzählung so intensiv. Ich hatte beim Lesen das Gefühl sehr nah an ihrer Gesichte und der Geschichte ihrer Familie mit allen Stationen vor, während und nach dem Krieg, dran zu sein.

★★★★★