Im dritten Semester steht eine Projektarbeit an. Ich erwähnte das mal. Wir entschieden uns gegen rein wissenschaftliche Arbeiten und bewarben uns unter anderem auf die Konzeptionierung von geeigneten PR-Maßnahmen für eine große Schlagerparty in einer großen Halle in Köln. Auch wenn wir musikalisch alle auf einer anderen Welle reiten, hielten wir das für spannend, praxisbezogen allemal und sahen da vielleicht auch irgendwo unsere Stärken.
Wir sind zu fünft, arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen und ergänzen uns super. Wir erhielten den Zuschlag, oder wie immer man das nennen soll. Einen Pitch gabs schließlich nicht. Am Ende durften und dürfen sich 22 Leute in 4 Gruppen an diesem Event austoben. Schön und gut, so kann sich jede Gruppe auf Kernaufgaben konzentrieren. Von klassischer PR entfernten wir uns außerdem ganz schnell, wir sollten Marketing-Ideen entwickeln.
Diese Marketing-Ideen sollten auch zeitnah umgesetzt werden, sodass die bekanntgegebene Besucherzahl auch tatsächlich erreicht wird.
Wenn man jetzt so jung, pfiffig und hipp ist, wie wir es sind, dann kommen da schnell viele und teilweise sehr coole Ideen zu Papier und Powerpoint-Folie. Reverse Graffiti, Urban Screening, Schlagzeilenplakate austauschen, eben viel Guerilla, Mickie Krause auf ein Bierbike setzen, Street Gigs mit den lokalen Bands, die Düsseldorfer Altstadt sperren oder oder oder…
Klar, vieles geht mit einer Schlagerparty (Ballermannparty, wie auch immer) nicht konform, ist zu urban für einen Cascada-Fan oder einfach nicht umsetzbar aufgrund von Gesetzen, Gefahren, Budget, Verträgen und den großen Namen im Rücken.
Wer aber nicht mutig ist und ein Risiko scheut, “lässt Flyer verteilen”. Der Veranstalter entschied, dass wir das Vereins-Marketing und spezielle Angebote für Sportvereine ausarbeiten sollen. Wir haben uns da mit unserer Zielgruppenanalyse vielleicht selbst ins Bein geschossen, dachten aber, wir könnten mit unseren ersten Konzepten so viel Überzeugungsarbeit leisten, dass wir wenigstens das Bierbike radeln dürften. Das hätte als PR-Aktion enorme Reichweite gehabt, die Kartenverkäufe kurzfristig sicher angekurbelt und das Event publik gemacht. Man hätte hier in Köln nicht mal groß auf den 11.11. setzen müssen.
Ich hefte das alles schon jetzt unter Erfahrung ab, schraube meine Erwartungen für das nächste Jahr etwas nach unten und arbeite im Großen für die Note. Oft müssen wir aber schon lächeln, wenn wir erkennen, dass vieles im Zusammenhang mit dem Event so schlecht greift, so schlecht organisiert und konzipiert wurde – vielleicht weil da hier und da ein bisschen Mut fehlte.
Hätte man uns da eine Gesamtstrategie entwickeln lassen, wäre die angestrebte Besucherzahl nicht ganz so utopisch gewesen, da bin ich mir sicher. Nur was soll man bei einer Vorlaufzeit von 2 Wochen groß machen außer Karten verschenken, wenn alles andere verworfen wird?
Ich könnte noch so viel erzählen, was im Vorfeld – vor uns – schon alles schief gelaufen ist, falsch gemacht wurde und weitläufiger Organisation bedarf. Oder ich mache es später einfach besser…