Hermitude

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Auf meiner kleinen Weltreise letztes Jahr stieß ich am letzten Tag in Australien, in Sydney, auf den Record Store. Nur mit Rucksack bewaffnet und wohlwissend, dass mich noch drei Wochen Neuseeland und zehn verdammt heiße Tage auf Fiji erwarten würden, war ich ganz froh, dass mir an diesem Tag nicht allzu viel Zeit blieb, um mich durch die Plattenkisten zu wühlen.

Platz hatte ich nicht viel, aber die ein oder andere Scheibe wollte ich auch als Andenken mit nach Hause nehmen. Der Besitzer, Stephan (der übrigens lange in Deutschland lebte und ehemaliges Knax-Club Mitglied ist, wie er mir beim Anblick meiner Kreditkarte verriet), empfahl mir das australische Duo Hermitude und deren Album HyperParadise.

Einmal kurz die Nadel über die A-Seite gezogen und eingepackt. Wir verstanden uns. Den Rest wollte ich mir für zu Hause aufsparen.

Was soll ich sagen? Die Platte ist ganz große Klasse und begleitet mich seit den bald sechs Monaten seit meiner Rückkehr in den Alltag. Stimmungsgeladene Instrumentals, elektronisch, manchmal verspielt, dezente Vocals. Eine Mischung aus Glitch Mob und Four Tet, vielleicht. Ist auch egal. Das Teil hat Preise gewonnen und ein Nachfolger, dann auch mit internationalem Major im Rücken, dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Auf Vinyl scheint das gute Ding ausverkauft zu sein. Glücklicherweise gibts das Album aber auch im deutschen iTunes Store, bei Spotify und selbst Amazon hat es im Angebot.

Döll – Weit entfernt

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In letzter Zeit flutet es wieder brauchbaren, weil unverbrauchten, Rap aus deutschen Landen. Heute mal Döll. So nennt sich der Kerl aus Darmstadt, der hier sein Solo-Erstlingswerk als frei erhältlichen Download über WSP bereitstellt. Oder eben über eine Facebook-App und Like-Schleuder, wenn man es genau nimmt. Scheint ohne nicht mehr zu gehen… ein freiwilliges Gefällt mir gibts nach dem Hören aber bestimmt, gerne darf das Werk auch gekauft werden.

Musikalisch-inhaltlich hält die EP sechs knackige Anspieler parat und verbreitet fröhlich-düsteren Rap-Rap. Und dabei passt vieles zusammen. Die Beats überzeugen mich fast ausnahmslos, die Texte, Stimme und der Druck dahinter auch.

Den Einstieg gibt Prolog, auf einen schön dreckigen Beat vom Kollegen Schnürschuh, der zur EP zwei Instrumentale beisteuert; einen Knaller und später einen, für meinen Geschmack, eher durchschnittlich_eren Beat (Abbild). Einleitend reflektiert Döll ein wenig, schreibt und rappt sich eine Erinnerung an die Ex-Freundin und macht deutlich, was den Hörer erwartet: der Shit.

Der zweite Track Für uns lärmt auf einen Beat von Brenk Sinatra. Fast schon leider hat Brenk hier ein Brett gezaubert, das Döll im ersten Part etwas überfordert bzw. blass scheinen lässt. Das Zusammenspiel für die Jungs zündet erst zur Halbzeit.

Auf Was mir auffällt erfahren wir Persönliches – mit Cuts von Hiobs Tränen, während Abbild (das nach einigen Loops dann doch auch beattechnisch weit auszuholen vermag) ein bisschen vorlegt, was Weit entfernt dann vollendet: Döll-Rap über Rap (oder umgekehrt).

Ein Video darf nicht fehlen, Weit entfernt mit Produktion von Dexter, repräsentiert die EP dann auch ganz gut und darf ohne weitere Worte bleiben.

Zum Ausklang noch das starke Es bleibt dabei, das ein wenig unsere/meine Generation widerspiegelt. Jedenfalls fällt es leicht, sich dort wiederzufinden.

Ich sehe es zur Zeit alles andere als zweifelsfrei. (…) Zieh ich durch, bleibt es eigentlich gleich. (…) versklavt in einem Unternehmen, das irgendeine Scheiße vertreibt. Ich weiß, der Ausweg kann sicher kein Steilgang sein, doch Wochenenden drucken meinem Arsch einen Freifahrtschein.

Alles in allem ein starkes Solo-Debüt, das Lust auf mehr macht. Dran bleiben. Und wer kein Facebook besitzt und gegen Schmales ist, darf auch einmal nachfolgend klicken und sich Weit entfernt ohne Like ziehen. Die Scheibe verdient ihre Hörer.

Juse Ju – Übertreib nicht deine Rolle

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Juse Ju hat ein Album rausgehauen – für lau. Darüber darf sich gefreut werden. Das elf Anspielstationen fassende .zip-File darf weiter über diesen Link auf die heimische Festplatte gespeichert werden. Bei Backspin gabs dieser Tage ein Zwischen den Zeilen mit Juse.

Nicht alle Songs sind gleich. Ich weiß, dass Monotonie die Voraussetzung für ein erfolgreiches Album ist. Aber leider hab ich das nicht hinbekommen, weil ich zwei Jahre immer mal wieder daran gearbeitet habe.

Das erste Mal aufgefallen ist mir Juse Ju nicht durch irgendwelche Battles, sondern im Zusammenhang mit Provos Quer durch München (guter Produzent, der sich für das großartige Monaco Moll verantwortlich zeigt) und der Münchner Szene (mich kickte sein Part auf dem ersten Creme Fresh Album). Das dürfte 2006 gewesen sein – macht Wilson Wicked noch Musik? Und der semi-sympathische Lea-Won?

Wie auch immer… das kleine Album ist gut. Kurzweilig. Witzig. Ironisch. Typisch. Nach vorne. Dem Titeltrack wurde dann auch noch ein passendes Video spendiert. Das scheint mir auch im Ganzen betrachtet die stärkste Station der Platte zu sein.