Ich will einen Kindle, will dafür aber nichts bezahlen. Das mal gleich vorweg. Ich hatte das Gerät gestern zum zweiten Mal in den Händen und ich liebe es einfach mit Technikkram zu spielen. Nur möchte ich jetzt keine 139 Euro ausgeben. Einfach so. Vielleicht schenkt mir jemand das Teil oder ich darf es testen…
Ich weiß auch gar nicht, ob ich eReading toll finde. Auf Dauer. Ich lese viel, aber unregelmäßig. Ich gehe lieber in eine Buchhandlung und entdecke so interessanten Lesestoff… oh wait. Das stimmt gar nicht. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ziellos einen dieser überlaufenen Läden in der Innenstadt angesteuert habe, ohne wirklich einen Buchtitel im Hinterkopf zu haben. 90% der jungen Leute schlagen dort ihre Zeit tot. Kaufen nichts oder kaufen Kochbücher.
Möchte ich wirklich ein Buch haben – fürs Studium oder nicht – dann bestelle ich es schnell bei Amazon. Die haben es da und es liegt in spätestens 36 Stunden im Briefkasten. (Der Preis kann bei aktueller Literatur übrigens kein Argument für oder gegen Amazon oder die Buchhandlung sein, aber das wisst ihr natürlich.) Das erspart mir ein Aufeinandertreffen mit anderen Menschen und die olle Rennerei durch die Stadt. Unschlagbar gut also. Eigentlich müssten eBooks doppelt unschlagbar gut sein, dauern Kauf und eh Lieferung nur 2 Minuten.
Aber dann geht mir doch das Gefühl, ein echtes Buch in den Händen zu halten, verloren. Und erst der Geruch… So ein Blödsinn. Stelle es mir lustig und bescheuert zugleich vor, wenn ihr am Papier schnuppert und eure Nase zwischen den Seiten einklemmt, um dann was zu riechen? Oder das Argument, dass man sich die gelesenen Bücher gerne ins Regal stellt – wofür? Das sieht erst gut aus, wenn eine ganze Wand voll ist. Wer hat das schon? Und selbst dann wäre es in meinen Augen Platzverschwendung. In der Regel lesen wir ein Buch ein einziges Mal. Warum heben wir es dann auf? Wir heben es auf, um ein bisschen Eindruck vor Freunden und Bekannten zu schinden. »Oh, Yannick liest Chris Anderson… und ein bisschen Goethe.« Oh, bitte stellt all die doofe “Jugend-Literatur” nicht für aller Augen sichtbar ins Regal.
Lassen wir mal außer Acht, dass es durchaus Werke gibt, denen man eine persönliche Bedeutung zukommen lässt, mit denen man etwas verbindet und von denen man sich ungerne trennt. Oder die man auch ein achtes und neuntes Mal liest. Das sind bei mir bspw. Homo faber und die kleine Sammlung an Reclam-Büchlein. Von Nachschlagewerken, dem ganzen wissenschaftlichen Kram, Lehrbüchern und all das, spreche ich auch nicht. Eben Bücher, die wir in unserer Freizeit lesen. Zur Belustigung oder Allgemeinbildung.
All die verkaufen wir irgendwann bei Ebay oder auf Flohmärkten. Es soll sogar Menschen geben, die Bücher wegschmeißen. Dann lieber spenden. Kindergärten, Schulen, öffentliche Einrichtungen aller Art – die freuen sich riesig, das weiß ich. Oder wir leihen sie Freunden, um dann gerne zu vergessen, dass wir das überhaupt getan haben.
Das alles sagt mir, dass ich mir doch ernsthaft digitales Lesen angewöhnen soll und mir den Kindle kaufe. Dagegen spricht jedoch der Preis einzelner Bücher. Für ein paar Kilobyte an Buchstaben kann ich keine 9 Euro zahlen. Da ist so eine Blockade in meinem Kopf, gegen die ich bisher nichts tun konnte. Ich würde vermutlich erst die Piratenbucht nach dem gewünschten eBook durchsuchen und das finde ich selbst doof. Glücklicherweise sind illegale eBook Downloads noch nicht so sehr verbreitet, glaube ich.
Kaufe ich mir z.B. die Millennium Trilogie von Stieg Larsson in Papierform, zahle ich >30 Euro dafür. Nach normaler Abnutzung verkaufe ich sie bei Ebay wieder und bekomme dafür knapp >10 Euro. Im Endeffekt kostet es mich ca. 20 Euro. Auf digitaler Seite aber zahle ich für die eBook Trilogie nur 3 Euro weniger, am Ende dann 27 Euro. Ich will gar nicht bestreiten, dass das hier eher eine Milchmädchenrechnung ist und es bestimmt unzählige andere Beispiele gibt, bei denen ich digital günstiger fahre. Trotzdem.
Mir gefällt die angedachte Lösung von Philipp: Ich kaufe ein analoges Buch, scanne den Barcode und kann mir gegen einen sehr geringen Aufpreis – oder am besten gleich kostenlos – das eBook auf meinen Reader laden. Das funktioniert so ähnlich auch schon bei CDs oder – mittlerweile eine super Sache – bei Vinyl. Da hat man meistens einen Downloadcode dabei. Das wird es sicherlich bald geben…
Fällt die angesprochene Blockade im Kopf, spricht rein gar nichts mehr gegen digitales Lesen. Das Gefühl, ein echtes Buch in der Hand zu halten, haben wir eh bald alle vergessen…

Ich denke, dass es letztendlich darauf ankommt, wie jeder einzelne mit Büchern umgeht. Besonders bei den Details. Wenn ich mir den “wissenschaftlichen” (umständlich) aus der Bibliothek fischen muss, mich mit dem Buch auseinandersetzen muss, um zu wissen was wichtig für meinen Bedarf ist, oder mir bei gekauften Literaturschinkn schnell etwas an die Seite kritzle – dann bleibt das Ganze 10 Mal besser in meinem Kopf hängen, als wenn ich “Anmerkung 4″ in eine beliebige Tastatur hacke.
Das mag aber Gewohnheit sein, so bin ich aufgewachsen.
Generell glaube ich auch, dass alles in eine Kindle-artige Zukunft strebt, in der mich coole Grundschüler auslachen, weil ich mit meinem Buch nicht Doodle Jump spielen kann.
Würde ich genau so unterschreiben.
Ich hoffe nicht, dass wir vergessen wie toll es sein kann mit einem guten Buch die Zeit zu vergessen. Der Geruch, das Gefühl des Papieres an den Fingern und die oft so geheimnisvollen Buchdeckel. Also Daumen drücken bitte. ;)
Ich mag die Idee des “Leave a book”. Wo Leute Bücher an Haltestellen und so nach dem lesen liegen lassen und sie nicht wegschmeissen.
Was deine Kritik an den digitalen Vertriebswegen angeht kann ich dir voll zu stimmen, sicherlich sollten digitale Bücher billiger sein aber da Print-Medien eh gerade schwächeln glaube ich das die Verleger mit den Preisen ihren “Verluste” auf dem Echt-Buch-Markt negieren zu versuchen!
Ich mag Bücher. Ich mag, wie Papier sich anfühlt und ein Buch in die Hand nehmen ist für mich immer noch eine Form des Abschaltens. Wenn ich lese, bin ich nicht im Internet, bin ich an keinem elektronischen Gerät.
Ja, manchmal lese ich Bücher auf dem iPad, aber auf Dauer abgewinnen kann ich dem nichts. Wie das mit dem Kindle aussieht, weiß ich nicht, stark abweichen wird es aber wohl eher nicht.
Du begründest das ordentlich und da würde ich mich auch nicht gegen ein eBook wehren, wenn es denn via Barcode, etc. durch das normale Buch zu bekommen ist. Aber ich hätte einfach kein Bock fast genauso viel für ein eBook wie für ein stinknormales Buch in Papierform zu zahlen. Das ist völliger Blödsinn.
Noch gefällt mir die Idee vom Schrank mit den ganzen Büchern ganz wunderbar. Mal schauen.
@Maedchenlachen: Was ist an einem Buchdeckel geheimnisvoll?
@Basti: Ohja, dieses “Leave a book” ist wirklich eine schöne Sache.
Ich werde niemals mein Bücherregal leerräumen!
Also ich bin ja immer noch ein großer Freund von Papier, auch wenn ich Technikram sehr liebe!
@Yannick: Die Aufmachung. Die Gestaltung. Mit dem Öffnen hat man die Möglichkeit in eine neue Geschichte, eine neue Welt zu treten. Sowas eben. ;)
@Maedchenlachen: Das ist genau das, was ich irgendwo nachvollziehen kann – mir dann aber doch die Hand an den Kopf schlage.